Zeitung Online 2009

by Dirk Beckmann. Average Reading Time: almost 3 minutes.

Der erste gute Vortrag war von Andréa Mallard/IDEO: Erfrischend, klar, präzise, so wie es die Amerikaner fast immer tun. Manchmal glaube ich, dass man diese Präsentationstechnik in den USA schon mit der Muttermilch aufsaugt, so perfekt scheint es. Und die Inhalte stimmen: Fail fast, Fail often, Fail cheaply. Sie bezieht das nicht nur auf das Netz. Sondern auf alles. EIn Amerikaner darf das ja auch, aber wir hier? Die IDEO Methode, will sie auf Nachfrage zusenden, als Buch, was lustig ist, wenn man bedenkt, dass Bücher aus einem anderen Jahrhundert zu kommen scheinen, auf einer Konferenz in der endlich klar werden soll, wie man als Verleger mit diesem Internet Geld verdient.

Dann die Statistiken von Herrn Büffel. Unaufgeregt präsentiert, aber sehr informativ. Die Anzahl der Top 100 Tageszeitungsverlage nutzen in 2009 weniger Foren und Chats dafür aber mit 48% Twitter. @Saschalobo sagt es ja schon lange voraus: Twitter ist das nächste große Ding. Aber höchst wahrscheinlich auch wieder ohne ROI für den Verleger. Sehr gut: Die Nähe der Medien zum Menschen: Während das Radio noch Meter entfernt stand, rückte das Fernsehen näher an die Nutzer und mit dem Laptop und iPhone sind die Medien nun fast ein Teil des Körpers.

Ein erwähnenswerter Vortrag handelt von Benchmarking. Was sich zunächst nach einer dieser Unternehmensberater Präsentationen anhört, entpuppt sich als ein klares, aber nicht überraschendes Ergebnis mit dem man was anfangen kann: Der größte Erfolgsfaktor für einen anständigen, durchschnittlichen TKP (Geld für 1000 Kontakte einer Anzeige) ist für Zeitungsverlage die filigran austarierte Balance zwischen Eigen- und Fremdvermarktung. Daneben sind die demographischen Daten der Nutzer wichtig, also Haushaltseinkommen, Bildung usw.

Von Springer konnte man in Sachen abendblatt.de hören, dass alles gut läuft, man auf einem guten Weg ist und mit vielen Aktivitäten den Erfolg noch steigern will. Professionell vorgetragen, überzeugend und – leider sicherlich keine Blaupause für die mittleren Verlage und deren Herausforderungen.

Dumont ist mobil. Mit über einer Million PI und zahlreichen Portalen, scheint Dumont ein Vorreiter in Sachen mobiles Internet zu sein. Überhaupt: mobile Telefone, wie das iPhone oder G1 sah man in vielen Präsentationen. Es ist immer wieder verwunderlich, dass erst Apple kommen musste, um in einer Milliarden-Industrie ein Produkt zu schaffen, mit dem auf einmal alle das mobile Web verbinden.

Einer der besten Vorträge, wenn nicht der Beste war aus der Schweiz. “Für alle, die die Schweiz nicht kennen, sie liegt direkt neben Burkina Faso…” mit diesen Worten startete der Verleger der 3. Generation seine beeindruckende Rede: Während die meisten Tageszeitungen noch große Schwierigkeiten mit “Local First” haben, und damit ihre Zeitungsmarke im Web verwässern, lernen wir aus der Schweiz, dass “Only Local” eine erfolgreiche Devise ist – und das nicht nur für das Web, sondern auch im Print. Zentrale Plattform für alles ist Online. Elf Redakteure arbeiten nicht medienneutral, sondern online first und suchen dann zwei Mal in der Woche aus, was “physikalisiert” werden muss – für die Kunden, die lieber was in der Hand halten. Mit einer Auflage von ca. 20.000 im “Mikrokosmos Jungfrau”, einer Gegend mit nicht mehr als 45.000 Einwohnern wird die perfekte Tageszeitung produziert: lokal, relevant, einzigartig. Keine Whitelabellösungen für dieses und jenes, sondern eine Marke mit unverwechselbarem Content. Hut ab!

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