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by Dirk Beckmann. Average Reading Time: almost 2 minutes.
“Weniger ist mehr” sagt der Volksmund, oder waren es die Gestalter, die so erfolgreich innovative Produkte hergestellt haben? Weniger ist aber lange nicht so populär wie Verwendung des Satzes. Weniger, wer will das schon. Alle wollen mehr. Mehr Geld, mehr Macht, mehr Spass und so weiter.
Jetzt gibt es Anhaltspunkte, dass “mehr” vielleicht gar nicht Lösung ist. Die Zeit schreibt in einer der jüngeren Ausgaben im Titel, dass immer mehr Menschen erkennen, dass materieller Wohlstand nicht unbedingt glücklich macht. Vergleicht den Zufriedenheitsindex der Länder und stellt fest, dass nicht die reichsten die glücklichsten sind.
Marketing Experten predigen seit Jahren, dass die Reduktion auf das Wesentliche fast immer zu einer besseren Markenwahrnehmung und Markenbotschaft führt. “Simplify your Life” ist eine Reihe von Lebensratgebern, die versuchen aus dem “mehr” ein qualitatives “weniger” zu machen (und bringt teilweise ziemlich hanebüchene Rezepte mit).
Oder das Thema Produkte: jeder durchschnittliche deutsche Ingenieur hätte schon in der ersten internen Präsentation des iPod gesagt: “Seid ihr verrückt, ein Festplatte für 300 Dollar mit einem Rad? Und dann auch noch mit proprietärer Infrastruktur? Das wird niemand wollen”. Die Realität kennen wir. Es tut sich was in Sachen “mehr” und nicht nur die durch Markenstrategen bekannte Zielgruppe der “Postmaterialisten” denken scheinbar darüber nach, dass Wachstum Grenzen hat.
“Weniger richtig gut machen”, sagen die Leute, die sich alljährlich auf der gel treffen und ihre Erfahrungen teilen. Das sind Künstler oder Manager, Wohltätigkeitsleute oder Gestalter, die dort über die Aufmerksamkeits-Ökonomie und ihre Grenzen sprechen.
Weniger ist also ein Trend, der sich immer mehr breit macht in den Städten und Einzug erhält in den Mainstream. So schreiben ganz unverdächtige Blätter über das Thema im Zusammenhang mit der Klimaveränderung oder andere im Rahmen philosophischer Überlegungen.
Weniger Pläne und mehr Pragmatismus helfen auch in Projekten. Alles genau zu planen hat sowieso keinen Sinn, sagen die agilen Software Entwickler, denn erst im Prozess erkennt man die Herausforderungen der Details. Es etablieren sich Methoden, die diesem Umstand Rechnung tragen.
Waren vor einigen Jahren viele Webseiten überladen mit bewegten Bildern und vielen Funktionen, scheinen die Verantwortlichen einiger, weniger Betreiber nun zu erkennen, dass auch hier eine Reduktion die Nutzbarkeit und damit den Umsatz steigert.
Das schiere “mehr” hat keine Zukunft – weniger, durchdachte Details richtig gut machen, kann ein Weg sein.

Wenn schon weniger mehr ist – wieviel mehr ist dann erst viel mehr?